| St. Martin |
|
Wenn am Abend des 11. November die Kinder der Kindergärten und der Grundschule mit, Lampions durch die Stadt ziehen, wenn die Blaskapelle „St. Martin, St. Martin ritt durch Schnee und Wind…“ spielt und die Kinder mehr oder weniger im Takt mitsingen, wenn junge Väter die ganz Kleinen auf der Schulter tragend mitziehen – dann erinnert sich wohl Alt und Jung gerne an seine eigene Kindheit oder an die Zeit, als die Kinder im „Zugalter“ waren.
Berühmt wurde Martin durch eine Tat, die auch die meisten Abbildungen von ihm zeigen: In Amiens, wo er als römischer Offizier in Dienst stand, teilt er „unverweilt“ wie es im Kinderlied heißt, mit einem Schwertstreich seinen Mantel und gab die Hälfte einem Bettler. Unverweilt, also ohne nachzudenken, abzuwägen, ob denn ihm noch genug hüllender Stoff bliebe, einfach Hilfe leistend dort, wo Hilfe gebraucht wird. Eine einfache Botschaft, die ihm aber bis heute einen dauerhaften Platz in den Herzen der Menschen bewahrt hat.
Der historische Martin wurde 316/317 als Sohn eines Militärtribuns im heutigen Ungarn geboren. Seine Jugendjahre verbrachte er im italienischen Pavia. Nach seinem Übertritt zum christlichen Glauben (die Legende erzählt, dass in der Nacht nach der Mantelteilung ihm Christus als jener Bettler erschien und Martin daraufhin Christ wurde) ließ er sich vom römischen Militär entlassen und suchte Hilarius, den Bischof von Poitiers, auf. Nach einer Zeit als Missionar, Einsiedler und Klostergründer, aus der viele Wunder von ihm berichtet werden, wurde er 371 Bischof von Tours an der Loire. Bishof Martin von Tours starb am 8. November 397.
Was das Martinsbrauchtum anbelangt, so haben die meisten der am 11. November (dem Tag der Beisetzung des Bischofs) oder am Vorabend üblichen Bräuche keine direkte Beziehung zum Leben und Wirken des Heiligen. Die Kinder lassen sich vom Schein der Lampions verzaubern, die Großen mögen knusprige Martinsgans. Dass sich um ihn so viele Legenden ranken, liegt am Zeitpunkt seines Festtages im Jahreskreis. Zu diesem Zeitpunkt war die Ernte eingebracht, der Wein gekeltert und der Winter stand vor der Tür. Erntedank war angebracht und Zins und Pacht wurden bezahlt. Die Tage vor Martini waren noch einmal ausschweifend wie an Karneval, denn nach diesem Tag begann früher die sechswöchige strenge adventliche Fastenzeit bis Weihnachten. Übrigens: der „11.11.“ der Jecken hat hier ebenfalls seinen Ursprung. Die Lichterzüge kamen erst Mitte des 19. Jahrhunderts im Rheinland auf. Heute ist der Martinszug ein Teil der Lichtsymbolik, die über Advent und Weihnachten bis Lichtmeß führt. |